Ohnmacht – Widerstand – Hoffnung
Mermaids

Ohnmacht – Widerstand – Hoffnung

Alles ist in Bewegung. Rasend schnell. Das mediale Spektakel ist allgegenwärtig, die Fronten verhärtet. Alle schreien sich nur noch an, keiner hört mehr zu. Rote Linien, Brandmauern, Wahlversprechen gebrochen... Es ist, wie es in Frank Castorfs Hamlet-Inszenierung am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg im letzten Jahr zu erleben war. Wir, das Publikum, werden angeschrien. Über Stunden. Kaum auszuhalten – wir sehen in die Fratze unserer Zeit. Die Realität unsers Daseins wird auf dem roten Samtsessel des Theaters körperlich bis an die Schmerzgrenze spürbar. Man will rausrennen. Nur weg. Und bleibt. Kennen wir das nicht?

Wir sehen Hamlet – ohnmächtig am Boden liegend. Ist dies das eigene Ohnmachtsgefühl, das wir dabei erleben? Wie entkomme ich dieser Erstarrung? Woher bekomme ich die Kraft, sich den destruktiven Kräften entgegenzustellen? Und wie lässt sich in all dem Aufruhr die zarte Pflanze im Asphalt entdecken, die kraftstrotzend an die Oberfläche will? Wie können wir den Sirenen unserer Zeit widerstehen, wie einst Odysseus? Hören, ohne den zerstörerischen Gesängen der sozial-medialen Verführungen zu verfallen? Wer sind überhaupt die Sirenen unserer Zeit? Wie können wir uns schützen vor deren Wirkung auf uns und auf die Gesellschaft? Und wo braucht es unseren Widerstand, damit die Hoffnung nicht erlischt?

Antlitz – Kunst oder künstlich?

Oder: Wo und wie entstehen Gewissheiten?

Der Prozess des Zeichnens beginnt lange vor dem ersten Strich. Er entspringt einer dauerhaften Wachheit: ein beiläufiges Erfassen einer Situation, einer Haltung, eines In-sich-Gekehrtseins. Was ich dabei wahrnehme, löst eine unmittelbare Reaktion aus. Der Blick in die Augen geschieht intuitiv: ein Moment, in dem Wahrnehmung zu echtem Kontakt führt.

Meine Zeichnungen entstehen aus der Begegnung mit echten Menschen. Der Blick, die Wahrnehmung, die Erinnerung und die eigene Erfahrung verdichten sich zu einer Linie. Dabei ist jeder Strich zugleich Entscheidung und Konstruktion: Ich bilde Wirklichkeit nicht ab, sondern erzeuge eine Perspektive auf sie. Die Frage nach Wahrnehmung und Konstruktion führt unmittelbar in die Gegenwart. Künstliche Intelligenz erzeugt Bilder aus Daten, aus Fragmenten einer bestenfalls zerlegten Wirklichkeit; soziale Medien beschleunigen ihre Verbreitung und verstärken Narrative, die sich verselbständigen. Das Erleben der Wirklichkeit wird über Bilder, Erzählungen, also über algorithmisch bestimmte Gewissheiten erzeugt.

In meinem Triptychon OHNMACHT – WIDERSTAND – HOFFNUNG untersuche ich diese Dynamik anhand kultureller/literarischer Figuren und Narrative: »Odysseus & die Sirenen«, »Hamlet« und »Die drei Könige« repräsentieren den Zustand liberaler Demokratien zwischen Verführung, Sprachlosigkeit, Ohnmacht, unbeteiligt Sein, Widerstand und der Suche nach Hoffnung.

Die Allgegenwart KI-generierter Inhalte führt zu einer ganz grundsätzlichen Frage: Was ist noch eigene Wahrnehmung, wenn die Bilder und Erzählungen, aus denen wir unsere Vorstellung von Wirklichkeit konstruieren, zunehmend technisch erzeugt, vervielfältigt und manipuliert werden? Das echte Kunstwerk setzt dieser Geschwindigkeit die Einmaligkeit der Begegnung entgegen, materialisiert in Zeichnungen, in der nicht korrigierbaren Linie, dem Widerstand der Tusche und in der Leerstelle, die Raum für das eigene Erleben lässt. Vielleicht liegt das Einzigartige nicht darin, ein »wahres« Bild zu erzeugen, sondern darin, die Möglichkeit zu eröffnen, die eigene Wahrnehmung durch die Betrachtungg immer wieder infrage zu stellen. Das Triptychon OHNMACHT – WIDERSTAND – HOFFNUNG ist mein Beitrag für die Gruppenausstellung der Künstler:innengruppe »Offene Ateliers in Schleswig« unter dem Motto "bewegung". Inspiration war das Erlebnis der Hamlet-Inszenierung von Frank Castorf.


FINE ART PRINT - Made for You

Hochwertige Kunstdrucke entfalten eine beeindruckende Wirkung – fast wie das Original. Zu besonderen Anlässen fertigen wir exklusive Editionen in kleiner Auflage an, basierend auf ausgewählten, beliebten Werken. So wird es mehr Menschen möglich, meine Kunst in ihrem eigenen Zuhause zu erleben und zu genießen.